Diese Gattung ...

 



    Gattung Escobaria


Die Gattung Escobaria wurde im Jahre 1923 durch die amerikanischen Botaniker N.L.Britton und J.N.Rose bestimmt. Den Namen der Gattung wählten sie zu Ehren der Arbeit zweier mexikanischer Botaniker - Romulo und Numa Escobario.
In die neu bestimmte Gattung wurden 6 neue Taxon eingereiht und zwei schon bekannte Arten aus der Gattung Mammillaria übertragen.
Der Grund für das Entstehen der neuen Gattung waren folgende Charakteristik. Von den äußeren Merkmalen her waren sie von kleinem, oft länglich sprossendem Wuchs, die Rippen gegliedert in Warzen mit zahlreichen, niemals aber mit hakigen Dornen und vor allem Furchen, die den dornigen Teil der Areole auf dem Scheitel der Warze mit dem Blütenteil der Areole in der Achsel der Warze verbinden. Als spezifische Genusmerkmale wurden dann die zierlichen Blüten mit gewimperten äußeren Blütenblättern, roter, nicht aufspringender Frucht und braunem bis schwarzem, ovalem Samen bezeichnet.


Im Jahre 1923 wurde gleichzeitig mit der Gattung Escobaria durch die Herren Britton und Rose eine weitere, nicht große Gattung, die Gattung Neobesseya, bestimmt. Diese Gattung umfasste vier Arten.
Der Grund für die Entstehung war eine größere Blüte, eine runde rote nicht aufspringende Frucht, die schwarze, fast runde Samen enthält. Die Verwandtschaft mit der Gattung Escobaria wurde durch die Existenz der Art Escobaria dasyacantha dokumentiert.
Britton und Rose reihten in ihrer Klassifikation der Familie Cactaceae die Gattung Escobaria und Neobesseya in den Stamm (Tribus) III. Cereeae, den Unterstamm (Subtribus) 6. Coryphanthanae ein.


Alberto Vojtìch Friè beschreibt im Jahre 1925 die Gattung Fobea. Diese Gattung wird jedoch früh als Synomym für die Gattung Escobaria angesehen.


Die neu bestimmte Gattung Escobaria erkennt im Jahre 1929 Alwin Berger in seinem Werk "Kakteen" an, aber nur im Rahmen der Gattung Coryphantha, die er in seiner Klassifikation der Familie Cactaceae in die Unterfamilie (Subfamilie) III. Cereoideae einreiht.


Im Jahre 1945 fasste J. P. Hester diese zwei Gattungen zu der neuen Gattung Escobesseya zusammen. So wurde auf der Grundlage des neu entdeckten Taxon im Jahre 1939 gehandelt, das genauso wie Escobaria dasyacantha einige gemeinsame Merkmale beider Gattungen aufweist.


Eine weitere taxonomische Revision der Kakteen führte im Jahre 1947 der amerikanische Autor Taylor Marshall durch. In seiner Arbeit vereinigte er unter anderem die Gattung Escobaria mit der Gattung Coryphantha. Seiner Meinung nach sind die Verkorkung der alten Warzen und rote Früchte keine ausreichend unterscheidenden Merkmale für die Existenz einer eigenständigen Gattung.


Im Jahre 1951 wurde eine neue Charakteristik der Gattung Escobaria durch Professor F. Buxbaum festgelegt. Er bezog in diese Gattung auch den sehr variablen Komplex der Pflanzen aus dem Umfeld der damals bekannten Mammillaria vivipara ein. Professor F. Buxbaum legte ebenfalls die Hypothese über die phylogenetische Wechselbeziehung zwischen der Gattung Escobaria als entwicklungsmäßig ältere und der Gattung Mammillaria als entwicklungsmäßig abgeleitete vor. Er gab auch an, dass die Gattung Escobaria den Übergang zwischen den Gattungen Ferocactus und Echinofosulcactus auf der einen Seite und der Gattung Mammillaria auf der anderen Seite (darauf deutet die große Ähnlichkeit der Samen hin) bildet. Als Hauptunterscheidungsmerkmal von der Gattung Coryphantha führt er das unterschiedliche Aussehen der Samen an (furchige Testa /Oberfläche/ und deutliche, zur Hyle eng ansitzende mikropylare Öffnung) und gewimperte äußere Blütenblätter.


Im Jahre 1961 gibt H. Krainz sein Werk "Die Kakteen" heraus, in dem er sich an die Einteilung der Gattung Escobaria nach F. Buxbaum hält. Zu der Gliederung fügt er hinzu, dass die Gattung Escobaria offensichtlich ein bedeutendes Bindeglied besonders mit seiner Untergattung Pseudocoryphantha bildet, das einerseits an kleine Arten der Gattung Ferocactus und anderseits mit einem seiner Zweige an die Gattung Neobesseya und mit dem anderen Zweig an die Hochgebirgsgattung Mammillopsis anknüpft. Desweiteren erkennt hier H. Krainz die Gattung Escobesseya nicht an und belegt die Nichtberechtigung Hesters Unterscheidungsmerkmale, vor allem wenn es um den Charakter der Samen geht.


Im monumentalen Werk C. Backebergs "Die Cactaceae" (V. Teil) aus dem Jahre 1961 wurde die Konzeption der Gattung im Prinzip vom Gründer der Gattung übernommen. Curt Backeberg reihte hier weitere Taxone ein, die zwischen den zwei Weltkriegen entdeckt wurden und in andere Gattungen eingeordnet wurden, namentlich die Gattung Coryphantha. Buxbaums Einordnung der Escobaria vivipara in diese Gattung lehnte er jedoch grundsätzlich ab und reihte sie wieder zurück in die Gattung Coryphantha ein, wo er eine eigene Untergattung Neocoryphantha für sie bildete. Diese Änderung begründete er damit, dass die grünen und wasserhaltigen Früchte typisch für die Früchte der Gattung Coryphantha und nicht für die Gattung Escobaria sind. Backeberg führt weiter an, dass die Gattung Escobaria näher verwandt mit der Gattung Neobesseya ist. Gleichzeitig erkennt er jedoch die Verwandtschaft Buxbaums Pflanzen der Untergattung Pseudocoryphantha (Pflanzen Escobaria vivipara) mit der Gattung Neobesseya auf Grund der wimprigen Blütenblätter, die nach Backeberg bei der Gattung Neobesseya sowohl wimprig als auch glatt sein können, nicht an. Ebenfalls schienen Backeberg die subbasale oder basale Lage der Hyle, die Struktur der Samenoberfläche und die Lage der mikropylaren Öffnungen nicht ausreichend als Begründung Buxbaums Untergattung Euescobaria oder Hesters Escobesseya, weil, seiner Meinung nach, bei den hier eingereihten Pflanzen beide Unterscheidungsmerkmale gleichzeitig auftreten.


Die Bemühung um die Bestimmung der Unterscheidungsmerkmale der Gattungen Coryphantha - Escobaria - Neobesseya - Neolloydia ist durch C. Backeberg in seinem Werk "Kakteenlexikon", herausgegeben im Jahre 1965 angeführt. C. Backeberg führt hier an, dass sich die Gattung Escobaria von der Gattung Coryphantha durch die rote Farbe der Früchte und die harten Samen unterscheidet. Gemeinsam haben sie jedoch die gefurchte Warze, gleich wie bei der Gattung Neobesseya. Diese Gattung hat mit der Gattung Escobaria die roten Früchte gemeinsam, die Samen hat sie jedoch mit grösseren Arillen und die Blüten dieser Gattung wachsen nahe dem Scheitel, niemals im Scheitel, wie bei der Gattung Escobaria. Die Früchte der Gattungen Escobaria und Neobesseya sind zum Unterschied zur Gattung Neolloydia wasserhaltig. Die Gattung Neolloydia wird laut Backeberg durch Pflanzen gebildet, die auch einen walzenförmigen Körper haben, die Warzen versehen mit Furchen und zentralen Blüten, die jedoch grösser sind. Die Früchte sind nicht wasserhaltig, sie sind gedeckt gefärbt und in der Reife trocknen sie ein.
C. Backeberg ordnete in dieser Arbeit die oben angeführten Gattungen in die Unterfamilie III. Cereoideae, Tribus II. Cereeae, Semitribus 1. Austrocereeae, Subtribus 2. Boreocactinae, Gruppe 2. Mammillariae, Untergruppe 1. Coryphanthae ein.


Eine weitere Komplikation in die schon ohnehin verworrene Problematik der Gattung Escobaria brachte Professor Lyman Benson aus Kalifornien. Er reihte in seinem Werk "The Cacti of Arizona" (3. Auflage) aus dem Jahre 1969 die Gattung Escobaria in die Gattung Coryphantha ein, und das gänzlich ohne Untergattungen. Darüber hinaus ordnete er einer ganzen Reihe früherer Gattungen den Status Varietät einiger Grundtypen zu, insbesondere der Art vivipara. Bensons Ansicht zur Eingliederung der Gattung Escobaria in die Gattung Coryphantha wird von einem Teil der Kakteenkenner (vor allem von amerikanischer Seite aus) bis in die heutige Zeit geteilt.


In den 60er und am Beginn der 70er Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts beschäftigen sich die Amerikaner D. A. und A. D. Zimmerman und ein Team aus der Universität in Albuquerque in Neu Mexiko unter der Leitung von E. Castertter mit der Gattung Escobaria. Diese Grössen auf dem Gebiet der Kakteen gaben einige bedeutsame Arbeiten heraus. Sie halten jedoch gegenüber der amerikanischen Tradition die Gattung Escobaria nur für eine Untergattung der Gattung Coryphantha.


In den Jahren 1967 und 1978 gibt der englische Botaniker D.R. Hunt seine Schlüsselarbeit heraus, die sich mit der Familie Cactaceae und gleichzeitig auch mit der Gattung Escobaria beschäftigt. In seiner Klassifizierung aus dem Jahre 1967 reihte er diese Gattung ein in : Tribus 3. Cacteae, Subtribus 2. Cactineae, Gruppe C.


Beginnend mit dem Jahr 1979 fängt P. C. Fischer an eine Serie von Artikeln herauszugeben, die mündeten, erst nach einer übersichtlichen Studie, gewidmet dem ganzen Bereich Coryphantha vivipara, einschließlich eines Schlüssels zu den Varietäten und sehr ausführlichen vergleichenden Angabetabellen über die einzelnen Varietäten. P. C. Fischer beschäftigte sich mit dieser Problematik mehrere Jahre und zu diesem Thema verteidigte er auch seine Dissertationsarbeit. Die gesamte Studie ist auf langjährige Feldbeobachtungen gegründet. Am Ende neigt P. C. Fischer zu der Meinung Zimmermans, dass dieser Komplex eher unter die Gattungsbezeichnung Escobaria gehört.


Eine originelle Konzeption der Gattung Escobaria bildeten und veröffentlichten auch im Jahre 1981 V. John und J. Øíha in der Zeitschrift Kaktusy. Diese teilten die Gattung in sechs Untergattungen, von denen sie vier neu bestimmten. Als eine der neuen Untergattungen gliederten sie auch die Gattung Ortegocactus ein. Weil jedoch in dieser Zeit schon N. P. Tayler mit einer wesentlich größeren Menge an Pflanzenstudien, anderer Unterlagen und besonders Publizität und damit auch Propaganda für sein System in der Szene ist, ist diese originelle Konzeption in Vergessenheit geraten.


Seit dem Ende der 70er Jahre beschäftigt sich N. P. Tayler vom Königlichen Botanischen Garten in Kew ( Großbritannien ) systematisch mit dem Studium der Gattung Escobaria, der im Laufe der Jahre 1978 - 1986 vier bedeutende Arbeiten publizierte, gerichtet auf die komplexe systematisierte Ansicht der ganzen Gattung. Zu dieser Ansicht fehlt bisher eine lückenlosere Studie, Escobaria vom Gesichtspunkt der natürlichen Bedingungen aus zu bewerten, also mit konzentrierten und ausgewerteten Teilinformationen aus dem Terrain.


Im Jahre 1986 wurde ein neuer Vorschlag zur Gliederung der Familie Cactaceae vorgelegt, in dem die Gattung Escobaria in die Unterfamilie I. Cactoideae, Gruppe II. Cacteae und in Untergruppe VII. (unter der Gattungsnummer 80) eingereiht wird. In dieser Gliederung ist den Gattungen Cochiseia, Escobesseya und Neobesseya der Status Synonynum zugeordnet, wobei Neobesseya der Wert Untergattung oder Sektion zugeordnet ist und der Art Neobesseya macdougallii (Ortegocactus) ist die Bemerkung angeführt, dass sie eventuell auch in die Gattung Mammillaria eingereiht werden kann. ( Übernommen aus: Rody èe¾ade Cactaceae - snaha o nové riešenie / Bemühung um eine neue Lösung /, Spravodaj Kaktusy-sukulenty VIII, Artikel 1/87, Seite 19-21, es handelt sich um die Übersetzung von J. Matis' Artikel aus der Zeitschrift Bradleya 4/1986).


Seit dem Ende der 80er Jahre des 20. Jahrhunderts beschäftigt sich A. D. Zimmerman mit der Verbindung der theoretischen Arbeit mit den Ergebnissen der Feldbeobachtungen auf deren Grundlage eine wirklich komplexe Ansicht ausgearbeitet werden könnte, die wichtigen Evolutionszusammenhänge innerhalb und außerhalb der Gattung betreffend.


Im Jahre 1990 erscheint im Rahmen des Atlasses der Kakteen, herausgegeben von Chudimer Kakteenfreunden, die Zusammenfassung der Gattung Escobaria einschließlich eines Schlüssels zur Artenbestimmung. Der Autor ist Vl. Šedivý.


Ein weiterer Vorschlag der ISO-Party zur Gliederung der Familie Cactaceae wurde im Jahre 1990 vorgelegt ( Bradleya 8, S. 85-107, 1990 ). Die Einreihung der Gattung Escobaria in die Unterfamilie Cactoideae ändert sich nicht. Es ändert sich jedoch die Gliederung dieser Unterfamilie und die Gattung Escobaria ist daher in der Gruppe VIIb Cacteae und in der Untergruppe Cactinae. Die Gattung Neobesseya befindet sich in der gleichen Untergruppe, hat jedoch den Status einer eigenständigen Gattung. ( Übernommen: Øíha J., Šubík R.: Kaktusy a jak se je pestuje, / Kakteen und wie man sie züchtet /, S.21-27, Verlag Brázda, 2000)


Im Jahre 2001 erschien die Monografie der Familie Cactaceae, die das Werk C. Backebergs "Das Kakteen Lexikon" ersetzen sollte. Der Autor ist Edward F. Anderson. Die große Änderung gegenüber den früheren Werken ist die bedeutende Reduktion der Gattungen (125) und auch Arten (1810). Trotzdem sind hier neben neuen Kombinationen auch neu entstandene Gattungen. Aus der Sicht der Gattung Escobaria ist es insbesondere die Bildung der neuen Gattung Acharagma, in die die früheren Arten aguirreana und roseana umkombiniert wurden.


Die Geschichte der Gattung Escobaria setzt weiter fort.

 



    Gattung Ortegocactus


Die Gattung Ortegocactus ....

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Vielen Dank an Frau Ch. Venclová für die Übersetzung dieses Teils.

 


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Last modified October 7, 2006



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